ein Film von
    Ulrike OTTINGER


Pressezitate


Der Tagesspiegel
10. Februar 2007

Staunen und taumeln: "Prater" von Ulrike Ottinger
Von Daniela Sannwald

Kleine Puppen, große Puppen, menschliche, tierische, außerirdische. Es wackelt und ruckelt, schaukelt und zuckelt. Augendeckel klappen auf und zu, es piept, grunzt und grummelt, kreischt und bimmelt: Als Eldorado billiger Artefakte führt Ulrike Ottinger den seit dem späten 19. Jahrhundert bestehenden und immer wieder neu erschaffenen Wiener Prater ein, diese Mutter aller Lunaparks. Dass der Prater mehr zu bieten hat als grellen Kitsch erweist sich im Verlauf des Films. Ottinger hat Bilder des heutigen Praters mit historischen Fotos, Plakaten und Filmausschnitten montiert. Sie hat Interviews mit Prater-Veteranen geführt und Literaten und Schauspieler eigene und fremde Texte lesen lassen, die von der Faszination Lunapark erzählen. Die Filmemacherin selbst zieht mit staunendem Kameraauge von Attraktion zu Attraktion. Sie kann sich offenbar gar nicht satt sehen, und wie nebenbei fängt sie wunderbare Szenen ein: Eine indische Großfamilie in prächtigen Gewändern lässt sich beim Nostalgie-Fotografen mit k.u.k.-Kostümen ausstaffieren. Und eine Männergruppe in strammen Lederhosen und Kniestrümpfen zeigt verblüffende Ähnlichkeit mit einer automatischen Affenkapelle. Ulrike Ottinger dreht seit zwanzig Jahren Reisefilme, und man konnte ihr bisher nicht vorwerfen, dass ihre Filme zu kurz sind. "Prater" ist leider nur knapp über hundert Minuten lang, und wenn er zu Ende ist, fühlt man sich wie nach einer Karusselfahrt: ein bisschen schwindlig und ein bisschen glücklich. Es hätte ruhig noch weitergehen können.